Theaterverein Rellingen in der Presse


16. April 2018, Hamburger Abendblatt:

Wie zwei liebenswerte Tanten ihren Neffen zur Verzweiflung bringen

Kritik der Woche: Kulisse, Kostüme und Besetzung top – bei der Premiere der Kriminalkomödie „Arsenik un ole Spitzen“
des Rellinger Theatervereins passt alles

 

 

Der verunstaltete Jonas (Sönke P. Hansen) jagt seinen Tanten Abelke (l., Hannelore Koebe) und Martha (Uschi Kretschmann) gehörig Angst ein
Foto Mirjam Rüscher

Rellingen: Erschreckte Schreie, panische Blicke, hysterische Anfälle – Andreas Rode stolpert als Martin Brauer geradewegs ins Chaos.

Gerade noch war sein Leben in Ordnung. Der Theaterkritiker war zufrieden, hat sich verlobt, das Haus seiner Tanten war ein sicherer Hafen für ihn. Doch ein Blick in die Truhe im Wohnzimmer seiner Tanten ändert diese harmonischen Verhältnisse schlagartig.

Der Theaterverein Rellingen hat mit seinem plattdeutschen Stück „Arsenik un ole Spitzen“ am Freitag Premiere gefeiert. Vor fast ausverkauftem Haus kommt Martin Brauer seinen liebenswerten Tanten auf die Schliche. Je chaotischer es für seine Hauptfigur wird, desto mehr kommt Andreas Rode in Fahrt. Mit seiner Mimik und Gestik bringt Rode das Publikum immer wieder zum Lachen.

Während Martin Brauer am Rande des Wahnsinns steht, sind seine Tanten Martha (Uschi Kretschmann) und Abelke (Hannelore Koebe) die Ruhe selbst. Trocken, sachlich, charmant und liebenswürdig erklären die beiden alten Damen ihrem Neffen, was sie in ihrem Haus so treiben. Es ist ein harmonisches Zusammenspiel der drei Akteure.

Hannelore Koebe und Uschi Kretschmann sind ein tolles Duo und verkörpern perfekt die beiden Schwestern, die nach außen kein Wässerchen trüben können, es aber faustdick hinter den Ohren haben. Aus purer Nächstenliebe wollen sie alleinstehenden Herren ein unschönes Alter in Einsamkeit ersparen. Man glaubt es ihnen sofort.

Doch nicht nur die drei, auch die anderen Figuren machen einfach Spaß. Zum Beispiel Sönke P. Hansen, der als verunstalteter, geisteskranker, verschollen geglaubter Bruder Jonas seinen großen Auftritt hat. Oder Dirk Schaller, der als Dr. Einstein mit verkniffenem Gesicht und Sprachfehler über die Bühne humpelt. Oder Lothar Berg, der als Wilhelm Brauer – der sich selbst für Kaiser Wilhelm und den Keller für den Nord-Ostsee-Kanal hält – jedes Mal für Lacher sorgt, wenn er in Gala-Uniform und mit einem „Attacke!“ als Kampfgeheul die Treppe hochstürmt.

Martin Brauers Glück steht auf der Kippe. Schließlich fällt sein seltsames Verhalten auch seiner Verlobten Ellen (Raina Klehn) auf. „Bist du jetzt völlig durchgedreht?“ „Ne, noch nicht. Kann aber nicht mehr lange dauern.“ Zu allem Überfluss beschweren sich die Nachbarn wegen Ruhestörung, und die Polizei taucht immer wieder bei den Tanten zu Hause auf.

Martin versucht, alles zum Guten zu wenden und ahnt dabei nicht, was sein Bruder im Schilde führt. Die Handlung von „Arsenik un ole Spitzen“ hat immer wieder Wendungen parat, die man so nicht kommen sieht. Kulisse, Kostüme, Besetzung – bei der Inszenierung der Kriminalkomödie des Rellinger Theatervereins passt einfach alles. Ein gelungener Theaterabend. mrü


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