Theaterverein Rellingen in der Presse


18. März 2019, Hamburger Abendblatt:

Jungfer Julchen wickelt die Männer um den Finger


Süße Versuchung: Jungfer Julchen (Raina Klehn) füttert den verliebten Landjunger vun Büdelsdörp (Leo Freudenthal) mit Kuchen.   Foto: Herbert Flick

Mit dem musikalischen Lustspiel feiert der Rellinger Theaterverein sein 90-jähriges Bestehen.

Katja Engler, Rellingen: 50 Rellinger tragen vor, hinter und auf der Bühne dazu bei, dass die Jubiläums-Aufführung ein Knaller wird: Rellingens Theaterverein feiert mit dem musikalischen Lustspiel „Jungfer Julchen“ sein 90-jähriges Bestehen, Premiere ist am 23. März in Ellerbek.

Gegründet wurde das plattdeutsche Laientheater im Jahr 1929. Damals gab man Stücke wie „Im weißen Rössl“, „Alt Heidelberg“ oder „Die spanische Fliege“. Aber mit „Jungfer Julchen“, ins Plattdeutsche übertragen von Herma Koehn, sind sich die engagierten Laienschauspieler treu geblieben. Im Hochdeutschen heißt es „Die Buhlschwester“, geschrieben von Jakob Michael Reinhold Lenz im Jahr 1774.

Darum geht es: Julchen, die Hübsche, hat es faustdick hinter den Ohren. Ihr Ruf ist zweifelhaft, denn in Hamburg geht sie dem horizontalen Gewerbe nach. Das tut sie, um ihrem Traum näherzukommen, nach Paris umzusiedeln. Ihre Liebhaber, die es ernst mit ihr meinen, nimmt sie gnadenlos aus. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Haushälterin und Freundin Margreet. In welche Zwickmühlen sie dabei gerät, wie sich ihre Verehrer dabei schlagen und ob am Ende alles gut wird? Das ist an diesem Abend aufs Unterhaltsamste zu erleben.

Sämtliche Schauspieler tragen Kostüme, die liebe- und geschmackvoll von den Vereinsmitgliedern genäht wurden. Die musikalische Leitung liegt bei Oliver Schmidt, Kantor der Rellinger Kirche. „Unser Ziel ist der Erhalt der niederdeutschen Sprache“, sagt Anja Radtke, frühere Rellinger Bürgermeisterin, die seit eineinhalb Jahren im Verein mitmischt. Der hat 117 Mitglieder – und freut sich über Handwerker, die mit anpacken wollen. „Niederdeutsch ist eine alte Sprache, ausdrucksstark und sehr lebendig, und wir möchten mit unseren Inszenierungen dazu beitragen, dass es so bleibt“, schreibt der Verein auf seiner Website. Mittlerweile sei es ein Problem, dass die jüngeren Menschen kein Plattdeutsch mehr verstünden, sagt Radtke. Auch werden die, die eine Rolle auf Plattdeutsch spielen können, weniger. „Niederdeutsch muss man nicht können. Man lernt es bei den Proben.“ Wer Mitglied werden möchte, ruft Hannelore Koebe an, Telefon 04101/779 71 87.


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