Theaterverein Rellingen in der Presse


4. März 2020, Pinneberger Tageblatt: Ein Orden mit Anleitung

Rellingerin berichtet von ihrer Auszeichnung in Kiel

Felisa Kowalewski, Rellingen: Seit einer Woche ist die Rellingerin Hannelore Koebe Trägerin des Bundesverdienstordens. Ihre neue Medaille, die Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) ihr am Dienstag, 25. Februar, in Kiel überreichte, darf sie aber nur zu besonderen Anlässen tragen. „Da gibt es Vorgaben. Auch dazu, an welcher Schulter und wie hoch sie getragen werden muss“, sagt Koebe. Sie schmunzelt. „Es ist ein Orden mit Bedienungsanleitung.“

Wie berichtet, hat sie die Auszeichnung für ihr langjähriges Engagement beim Rellinger Theaterverein und ihren Verdienst um den Erhalt der plattdeutschen Sprache erhalten. Seit 58 Jahren ist Koebe in dem Verein, der hauptsächlich plattdeutsches Theater macht. 40 Jahre lang war sie die Vorsitzende – erst seit vergangenem Donnerstag nicht mehr: Bei der Jahreshauptversammlung gab sie den Posten ab. Die neue Vorsitzende ist nun Friederike Bauer, die zuvor Zweite Vorsitzende war. Ihr Stellvertreter ist Dirk Schaller und ganz neu im Vorstand ist Raina Klehn. „Ich habe seit Jahren gesagt, dass wir mal einen Wechsel brauchen“, sagt Koebe. „Aber aus Vernunftgründen, es hätte nicht sein müssen.“ Dass dieser Termin fast mit der Auszeichnung zusammenfiel, sei Zufall.

Wie hat Koebe die Feierstunde im Landtag erlebt? „Ich durfte sechs Gäste mitbringen und wir sind mit zwei Autos nach Kiel gefahren“, berichtet sie. Mit dabei waren Bürgermeister Marc Trampe (parteilos) und Landrat Oliver Stolz, ehemaliger Rellinger Bürgermeister. Und eine weitere ehemalige Bürgermeisterin war beteiligt: „Vorgeschlagen hat mich Anja Radtke zusammen mit Anke Jacobs vom Theaterverein“, berichtet Koebe.

Günther habe die Gäste begrüßt und die Urkunden mit Unterschrift von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) überreicht. „Er ist ein sympathischer Mensch“, sagt Koebe. „Er hat sich ganz viel Zeit genommen.“ Sie hat mit ihm kurz über den Verein gesprochen und ihm ein paar Tipps mit auf den Weg gegeben: „Ich habe ihm gesagt, er soll sich von der Politik nicht auffressen lassen und ihm zu einem Hobby wie meinem geraten“, sagt Koebe lachend. „Er sagte, er würde es immer schaffen, sich Zeit für die Familie zu nehmen.“

Im Theaterverein bleibt Koebe weiterhin aktiv. „Ich führe Regie und erstelle den Plan für den Bühnenauf- und -abbau“, sagt sie. Auch spielen möchte sie wieder. Eine Wunschrolle hat sie nicht mehr. „Eigentlich habe ich alles gemacht“, sagt sie. Insgesamt hat Koebe 40 Stücke gespielt, 20-mal souffliert und 35-mal Regie geführt. Mit der Aufführung von „Arsenik un ole Spitzen“ erfüllte sie sich 2018 ein Wunschstück.

Plattdeutsch spricht Koebe nicht nur im Theater: Seit vielen Jahren liest sie ehrenamtlich für Senioren in Rellingen und Halstenbek. Wie lange genau, weiß sie nicht. „Seit mindestens sechs Bürgermeistern“, schätzt sie. Für ihre Lesungen ist sie immer auf der Suche nach neuen Texten: „Man muss schon was tun. Man will ja nicht jedes Jahr das gleiche lesen.“ Auch dafür hat sie den Verdienstorden bekommen. Koebe sagt aber: „Es sind immer mehr Menschen am Erfolg beteiligt. Ich habe viele Verbindungen aufgebaut.“ Sie sei ein Mensch, der gern mit anderen zusammenarbeite und aktiv auf sie zugehe. „Man muss miteinander kommunizieren, das ist sehr wichtig. Dann kann man gemeinsam etwas aufbauen.“


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