Theaterverein Rellingen in der Presse


11. Juni 2019, Pinneberger Tageblatt:

Seit 1973 im Theaterverein Rellingen

Tausendsassa Andreas Rode reizen die „schrägen Typen“

Der 63-Jährige Rode spielt in unzähligen Stücken, agiert aber auch als Bühnenmaler und Regisseur. Ein Rückblick.


Vor und hinter den Theaterkulissen gefragt: Andreas Rode. Foto: Frauke Heiderhoff

Frauke Heiderhoff, Rellingen: Er agierte als verliebter Postbote und als Landstreicher in plattdeutschen Stücken. Er stand aber auch als Regenbogenmaler Klecks beim jüngsten Weihnachtsmärchen auf der Bühne und führte in einigen Stücken Regie. Der leidenschaftliche Schauspieler des Rellinger Theatervereins Andreas Rode (63) hat im aktuellen Jubiläumsstück „Jungefer Julchen“ in der Rolle des Offiziers Schlachtwitz überzeugt. Doch Andreas Rode steht nicht nur selbst auf den Theater-Brettern, sondern plant zudem, beim nächsten Weihnachtsmärchen Regie zu führen.

Rode begann schon im Jahre 1973 beim Theaterverein zu spielen. Er hatte als junger Mann ursprünglich einmal vorgehabt, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. Doch als der Rellinger im Alter von 15 Jahren an der Hochschule für bildende Künste abgelehnt wurde, beschloss er, einen „anständigen Beruf“ zu erlernen. Wie von seinem Vater favorisiert, absolvierte Rode eine Ausbildung zum Bankkaufmann.

Nachdem er parallel zu seinem Werdegang zehn Jahre lang auf den Brettern des örtlichen Vereins agierte, überlegte sich der Mime doch noch einmal, das Ruder herumzureißen und einen anderen Weg einzuschlagen. „Ich habe viel Spaß beim Verein gehabt und überlegte mir, mich an einer Schauspielschule zu bewerben“, erinnerte sich Rode.

Doch als Rode im Jahr 1983 die Chance erhielt, die Leitung der Geschäftsstelle bei der Sparkasse in Rellingen zu übernehmen, ließ sich der Banker das einmalige Angebot nicht entgehen. „Es ist mir bewusst gewesen, dass Künstler häufig Zukunftssorgen quälen“, erläuterte Rode. Er habe es beim Theaterverein zudem als reizvoll empfunden, mitzuentscheiden, in welchen Stücken er spielte.

Mit dem Stück „Die silberne Lilie“ begann Rodes Theaterkarriere im Verein. Er agierte dort nicht nur als Schauspieler, sondern engagierte sich auch in anderen Bereichen. Er verfasste beispielsweise Jubiläumsbroschüren und kreierte fantasievolle Theaterkulissen. Das Rellinger Theaterleben des 63-Jährigen bereicherten darüber hinaus ungewöhnliche Aktionen. Das Ensemble warb beispielsweise im Jahre 1985 für sein aktuelles Stück beim Ortsfest in der Gemeinde.

Mit ihrem Equipment im Gepäck, unternahmen die Rellinger ferner eine Fahrradtour zum Rantzauer See. Die Schauspieler stellten am See zwei einfache Kulissen auf und führten einzelne Stücke auf. „Es war klasse, dass wir durch den gesamten Kreis tourten“, erinnerte sich Rode. Barmstedt und Schenefeld gehörten damals zu den zahlreichen Aufführungsorten.

Mit Herzblut bereicherte die Truppe des Theatervereins zeitlebens das kulturelle Leben in der Region. „Seitdem ich da bin, gibt es eine starke Gruppe um Hannelore Koebe“, berichtete Rode. Es sei bei der heimischen Bühne etwas besonderes, zu wissen, sich gegenseitig aufeinander verlassen zu können.

Rode selbst führte zu Anfang der 80er Jahre beim Lustspiel „Dat Verlegenheitskind“ erstmals Regie. Der Schauspieler agierte gleichzeitig in der Rolle eines in Liebesdingen unerfahrenen Postboten.

Regie zu führen stellte für ihn immer wieder eine Herausforderung dar. Rode denkt gerne an seine Rolle im Stück „De Golden Anker“ zurück. Er spielte dort einen leicht verrückten Seemann, der immer noch von der weiten See träumt. Das Theaterspiel beinhaltete für den Banker, neben seiner Partnerschaft, immer einen wichtigen Ausgleich zum Berufsleben.

Welche Bühnenfigur er am liebsten darstellte? „Ich habe am liebsten schräge Typen gespielt“, berichtete der Schauspieler. Charaktere, die die geringste Schnittmenge mit seinem eigenen Wesen aufwiesen, reizten ihn vor allem. „Was man spielt, muss man auch fühlen“, weiß er. Es sei wichtig, die jeweilige Rolle zu leben. Um die dargestellte Persönlichkeit überzeugend zu verkörpern, sei es für ihn wichtig, Distanz zur Figur zu haben.

Als eine seiner stärksten schauspielerischen Herausforderungen empfand er seine Rolle im Stück „De Nervbüdel“. Er agierte hier zwei Stunden lang mit Dirk Schaller auf der Bühne. Am Applaus mangelte es nicht. Rode bezeichnet als schönsten Lohn am Ende jeder Aufführung den Beifall.


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