Theaterverein Rellingen in der Presse


16. März 2019, Pinneberger Tageblatt:

Zeitreise ins 18. Jahrhundert

Theaterverein Rellingen bringt „Jungfer Julchen“ auf die Bühne / Premiere am 23. März in Ellerbek


Die Darsteller des Stücks „Jungfer Julchen“ (von links, hinten): Dirk Schaller, Jana Kajah, Andreas Rode, Leo Freudenthal, Bernd Kathmann, Karsten-Uwe Stolz, Klaus Wessel, (vorne) Raina Klehn, Friederike Bauer
Foto: Bastian Fröhlig

Bastian Fröhlig, Rellingen/Ellerbek: Die Proben des Theatervereins Rellingen sind derzeit eine Zeitreise. Es geht sprachlich und optisch ins Jahr 1780. In dem Jahr spielt das aktuelle Stück „Jungfer Julchen“. Das Lustspiel nach der literarischen Vorlage von Jakob Michael Reinhold Lenz, das von Herma Koehn ins Plattdeutsche übersetzt wurde, feiert am Sonnabend, 23. März, Premiere. Allerdings nicht in Rellingen, sondern im Kulturtreff in Ellerbek, Rugenbergener Mühlenweg 2. Beginn ist um 19.30 Uhr. Insgesamt wird das Stück elfmal gespielt – sechsmal allerdings als geschlossener Auftritt.

„Als Tourneetheater haben wir schon an vielen Orten gespielt und fühlen uns auf vielen Bühnen zuhause“, sagt Anja Radtke, die zusammen mit Gerda-Iris Kleie für die Pressearbeit verantwortlich ist. „Wir müssen uns danach richten, welche Räumlichkeiten frei sind und planen dann unsere Tour“, erläutert Radtke. In Rellingen stehen die neuen Darsteller erstmals am Freitag, 29. März, ab 19.30 Uhr im Rellinger Hof, Hauptstraße 31, auf der Bühne.

Worum geht es in dem Dreiakter? Julchen (Raina Kehn), eine junge Dame von zweifelhaftem Ruf, geht im Jahr 1780 in Hamburg dem horizontalen Gewerbe nach. Allerdings will sie nicht in der Hansestadt bleiben, sondern träumt davon, zusammen mit ihrer Haushälterin Margreet (Friederike Bauer) nach Paris zu reisen. Doch wie soll sie das finanzieren? Da ist der naive Landjunker vun Büdelsdörp (Leo Freudenthal). Sie zieht ihm mit vorgetäuschter Zuneigung immer wieder das Geld aus der Tasche, das er im Auftrag seiner Eltern bei Kunden kassiert. Der nächste ist der Kaufmann Penning (Dirk Schaller). Er hat gerade in Stralsund sehr viel Geld verdient, das er wie immer für Julchen ausgeben will. Dem dritten, Oberst von Schlachtwitz (Andreas Rode), täuscht sie vor, dass er Vater geworden ist. Drei gehörnte Männer – das verspricht einiges an Wirbel.

„Das Stück ist bis in die heutige Zeit aktuell“, sagt Radtke. „Es geht eigentlich nur um Geld und um die Frage, wie eine Frau eigenständig, ohne Mann selbstbestimmt ihr Leben leben kann.“ Auch wenn das Stück eine Menge Spaß biete, sei es an vielen Stellen ernst. „Wir versuchen natürlich so originalgetreu wie möglich zu sein“, erläutert Kleie. „Alle reden vornehmer als man heute reden würde.“ Aber auch beim Bühnenbild und den Kostümen wurde viel Wert auf zeitgemäße Details gelegt. „Wir haben einen großen Fundus, aus dem wir schöpfen und aus dem wir Kostüme immer wieder verändern können“, sagt Kleie. „Wir haben sehr gute Näherinnen, die immer helfen“, sagt sie. Insgesamt sind bis zu 50 Helfer im Hintergrund im Einsatz – für Maske, Kostüme, Auf- und Abbau, Technik und vieles mehr. „Da gibt es viele helfende Hände“, sagt Radtke. Musikalisch unterstützt wird der Theaterverein von Rellingens Kantor Oliver Schmidt.

Einige Kostüme waren übrigens schon einmal im Einsatz, denn „Jungfer Julchen“ wird zum zweiten Mal vom Theaterverein Rellingen gespielt. Erstmals brachten es die Schauspieler 1986 auf die Bühne. Margrit Möller, die heute Regie führt , spielte damals Julchen, Friederike Bauer spielt diesmal wie vor 31 Jahren die Haushälterin Margreet. „Es war damals ein großer Erfolg. Daher wollten wir es noch einmal spielen“, sagt Kleie. Damals gab es ein besonderes Gastspiel. In der Bürgerressource Bayreuth durften die Rellinger auftreten.


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