Theaterverein Rellingen in der Presse


1. Sept. 2017, Pinneberger Tageblatt:

Knast-Dame, Putzfrau, Puff-Mutter


Foto: pt

Sie agierte nie als Prinzessin. Schon als junge Frau spielte sie exotische, flippige und raffinierte ältere Damen. Die Vorsitzende des Rellinger Theatervereins Hannelore Koebe engagiert sich seit 1962 bei der legendären Institution, agierte dort als Regisseurin, Bühnenbauerin, Schauspielerin sowie als Souffleuse.

Die Theaterdame erinnert sich nur allzu gut an „eine ihrer Lieblingsrollen“ im schelmischen Stück „Kiek mal wedder in“. Das war, als sie 1994 an der Seite von Albert Hatje eine Puffmutter spielte. Mitarbeiter des gesamten Behördenapparats hätten im Rotlichtgebäude vorbeigeschaut. Die verantwortliche Behörde ließ das zum Abriss vorgesehene Etablissement letztendlich doch unversehrt, weil sich die Herren von der Einrichtung und vor allem von den Damen sehr angetan zeigten.

„Es hat einige Zeit in Anspruch genommen, um mich entsprechend herzurichten“, erinnert sich Koebe. Denn „derartige Super-Kurven“ habe sie ja nicht. Die 74-jährige Koebe denkt auch gern an ihre Rolle als Großmutter zurück. „Ich habe beispielsweise 1975 als 30-Jährige eine Großmutter gespielt, die andere Menschen belauscht hat, um sie dann hinterher abzukassieren“, erinnert sich die Amateurschauspielerin. Das Publikum habe ihr in dieser Rolle „eine hohe Glaubwürdigkeit“ bescheinigt. Theater-Urgestein Kurt Oelting gestaltete ihr „einen schönen Buckel“.

Hannelore Koebe hat ferner ihre Rolle als Wirtin in „De Schrubber“ (1984) in guter Erinnerung. Kurt Oelting spielte hier als Wirts-Ehemann an ihrer Seite. „Ich durfte viele vorlaute Frauen spielen“, freut sich die gebürtige Egenbüttlerin. Ihre Rolle als Kriminalfälle lösende Putzfrau (1980) bleibt ebenfalls unvergessen. Die kluge Putzfee trieb hier den Polizeikommissar (Kurt Oelting) zur Verzweiflung.


Stets weibliche Raffinesse


Koebe sorgte auch in ihrer Rolle als in einem Altersheim beschäftigte, ehemalige Knast-Dame in der „Pension Sünnschien“ (1996) für jede Menge Trubel. Sie trieb dort die Besitzer der Einrichtung zur Verzweiflung, indem sie diverse Zustände zugunsten der älteren Herrschaften änderte und es den Insassen schließlich „better güng“.

Mit weiblicher Raffinesse spielte Koebe in der Rolle als Hausbesitzerin in „Poppe stiggt Ut“. Mit allen möglichen Kniffen gelang es ihr, „ihr Reich“ zu verteidigen und den Käufer zum Abzug zu bewegen. Koebe lernte im Zuge der Proben von einem Dudelsack-Spieler das Instrument professionell zu halten. Die schottische Musik erklang indes vom Band.

Die Theaterdame genießt es, ihre Nichte Raina Klehn im Team zu haben. Beim Stück „Jenny ihr Rezept“ spielte sie sogar deren Enkelin. Hannelore Koebe kam über eine Nachbarin zum Amateurtheater. „Es ist für mich faszinierend, in fremde Charaktere zu schlüpfen und jemand anderes sein zu dürfen“, erläutert Koebe. Sie empfindet es als spannend, allmählich in die Rollen hinein zu wachsen und eine Wandlung zu erleben. „Der Applaus am Ende der Vorstellung ist toll“, bilanziert sie.

„Das besondere am Rellinger Theaterverein ist, dass wir uns uns alle hervorragend verstehen“, betont die pensionierte Sachbearbeiterin der Mess- und Regeltechnik. Es kämen immer mal neue Mitglieder hinzu und der Nachwuchs bringe sich ein. Dass der Theaterverein viele plattdeutsche Stücke aufführt, bedeutet für Koebe „das gewisse Etwas“. Sie lernte von ihren Eltern und Großeltern Plattdeutsch. Viele trauten sich nicht, Plattdeutsch zu sprechen, aber wenn man ein wenig Sprachverständnis habe, könne man es ohne weiteres lernen. „Ich hoffe sehr, dass die plattdeutsche Sprache so lange wie möglich erhalten bleibt“, sagt Koebe.

Alle Mitglieder genießen es, über ein eigenes, abbezahltes Theaterhaus zu verfügen, wo Requisiten und Kostüme lagern. Die Schauspieler bilden sich bei vom Landesverband angebotenen Workshops weiter. Am 3. September kommt ein Referent vorbei, um Mitglieder im Schminken zu schulen.


Hier ist der Artikel auf der Internet-Seite des Pinnerberger Tageblatts zu finden


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