Theaterverein Rellingen in der Presse


28. Nov. 2019, Pinneberger Tageblatt:

Froschprinz sucht Erlösung

Weihnachtsmärchen des Rellinger Theatervereins feiert erfolgreiche Premiere mit mehr als 300 Zuschauern


Gemeinsam stark: Prinzessin Klara (Jana Kajah, von links), Mauli (Carlotta Janning) und Bibi (Lilly Freudenthal) verbünden sich, um Hexe Trudi (Lea Höft) das Handwerk zu legen. Foto: Frauke Heiderhoff

Frauke Heiderhoff, Rellingen: Der Vorhang öffnet sich. Es ist Tag im Sumpfland. Bibi, eine Biber Dame (Lilly Freudenthal), eilt auf die Bühne, um sich zu verstecken. Prinz Ferdinand (Nils Mund) zielt in heroischer Pose auf seine Beute. Der Pfeil verfehlt sein Ziel. „Teufel nochmal, wieder daneben“, schimpft der Prinz. Der Ärger über die misslungene Jagd währt nur kurz, denn plötzlich hat der Prinz ein echtes Problem: Er wird von Hexe Trudi (Lea Höft) in einen Frosch verwandelt.

Mit viel Herzblut hat der Rellinger Theaterverein sein diesjähriges Weihnachtsmärchen „Froschkönig Ferdinand oder gemeinsam sind wir stärker“ inszeniert. Die Begeisterung der mehr als 300 Besucher entlud sich bei der Premiere am Dienstag in der Turnhalle der Rellinger Caspar-Voght-Schule in minutenlangem Beifall, Stampfen und Rufen. Doch bevor es soweit kam, unterhielten die Mimen mit pfiffigen Dialogen und rasantem Spiel. Höft begeisterte als temperamentvoll zaubernde Hexe Trudi mit Froschaugen und Froschbeinen. Auch die anderen Darsteller brachten sich voller Leidenschaft in das verrückte Stück ein. Die beiden Männer im Ensemble verkörperten mit Ausstrahlung ihre Charakterrollen voller Liebe und Güte. Froschkönig Mund kommt dabei während des Stücks von seinem hohen Ross und entwickelt sich glaubhaft zu einem Charakter, der Freundschaften schätzt und pflegt.

Lilly Freudenthal verkörperte mit Nagetier-Tippelschritten auf charmante Weise Biberdame Bibi. Die Schülerin hatte an der Elmshorner Waldorfschule bereits Theater gespielt und agierte zum zweiten Mal in einer Hauptrolle. Carlotta Janning als blinder, vornehmer Maulwurf Mauli bildete mit ihr ein tolles Team. Wie die anderen Darsteller regte sie die jungen Zuschauer an mitzufiebern. Die hochgewachsene, mit akzentuierter Stimme sprechende Prinzessin Klara (Jana Kajah) erntete Bewunderung, vor allem seitens des jungen weiblichen Publikums. „Die Aufführung ist sehr kindgerecht gemacht“, lobte Besucherin Maren Sausmikat.

Regisseur Andreas Rode und sein Team verliehen dem Abenteuer nach den Brüdern Grimm sowohl moderne als auch klassische Komponenten. Mit einem bunt geschmückten Fahrrad eroberte Trudi die Bühne. Der König (Stefan Schmidt) reiste hingegen traditionell mit reparaturbedürftiger Kutsche. Rode, Helga Weise und Rebecca Rost präsentierten eine kunstvolle Schlosskulisse, die sie zuvor in stundenlanger Vorarbeit kreierten. „Das Malen für das Weihnachtsmärchen macht so viel Spaß, da schaut man nicht auf die Uhr“, berichtete Weise. Ähnlich erging es Regisseur Rode, der ursprünglich einmal Maler werden wollte.

Mit Applaus und Froschkönig-Schokolade fürs Publikum endete die Aufführung. Der Rellinger Theaterverein hat im Sommer sein 90-jähriges Bestehen gefeiert. „Rellingen hat eine tolle Theatertradition aufzuweisen“, betonte Margit Möller vom Theaterverein. Schon der Theaterdirektor Friedrich Ludwig Schröder (1744-1816) aus Rellingen habe für eine tolle Theaterkultur gestanden und Beziehungen zum Dichter Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) gepflegt.


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